Befragungsprotokoll


Befragter: DI Dr. Christoph Breidert


Gesellschaft: PONTIS Venture Partners

Datum: Montag, 26. Mai 2008


Punkt 1 – Selektionsprozess:


  1. Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen mitbringen, damit eine Beteiligung Ihrer Gesellschaft in Betracht gezogen wird?


Nicht wichtig aber von Vorteil, das Unternehmen operativ positiv wirtschaftet, es kann durchaus sein, dass es noch Verluste macht, weil sich Produkte noch im Aufbau befinden bzw der Markteintritt erst erfolgt ist.


Auf jeden Fall wichtig ist ein bestehendes, vollständiges Team, das überzeugt, dass es Unternehmen in die Höhe bringen kann. Produkt muss bereits Market-Proof haben, dh nicht nur vorhandenes Produkt, sondern müssen bereits Kunden/Abnehmer haben.


Wichtig ist die Größe des Unternehmens (nicht unter 0,5 Mio € Umsatz, besser 1 Mio € und mehr Umsatz).


Es wird evaluiert, ob Produkt eine Zukunft hat, welches Marktumfeld ist gegeben und wie wird es sich in den nächsten Jahren entwickeln

  1. Wie läuft der Selektionsprozess in Ihrer Gesellschaft ab? Wie werden Unternehmen ausgewählt?


Team und Produkte werden genauer untersucht, eine Managementpräsentation findet statt. Nach mehreren Wochen der Analyse: Letter of Intent (Eckparameter für zukünftigen Vertrag). Unternehmen vor Ort ansehen (Produkt-Vorführung), Referenzgespräche mit Kunden und Brancheninsidern. Wenn noch immer interessant: Parameter einer Beteiligung werden definiert (Beteiligungshöhe, Absicherungen) und an Unternehmen übergeben.


Due Diligence (Ca 3 Monate) – nochmalige, vertiefte Untersuchung der Parameter, wie Produkt, Markt; detailliert angesehen werden: Finanzlage, Mitarbeiter, Prozesse im Unternehmen; dazu werden externe Berater hinzugezogen.


Beteiligungsvertrag abgeschlossen

  1. Welche Kriterien muss das Unternehmen dabei erfüllen? (Sind hohes Wachstum und Wertsteigerung der Portfoliounternehmen die wichtigsten Kriterien?)


Von ca 10 Beteiligungen laufen etwa 2-3 sehr gut, 2-3 nicht so gut, dh die wenigen sehr guten müssen nicht so gute Beteiligungen kompensieren. Unternehmen müssen ein über dem Marktdurchschnitt liegendes Wachstum haben.

  1. Auf welcher Grundlage beurteilen Sie den Wert des Unternehmens?


Verschiedene Ansätze:


Klassische Bewertungsmethoden, wie DCF, (EVA); oder Vergleichbare Transaktionen heranziehen.


Bewertung abhängig von Unternehmen (wenn keine Cash Flows, kein DCF möglich, oder wenn keine Umsätze, kann keine Multiples nehmen, die auf Umsätzen basieren)


Überlegungen, was Unternehmen in ein paar Jahren wert sein wird, und diskontiere es, dh rechne rückwärts auf einen Wert per heute.


Mittelwert muss gefunden werden, der es für Venture Capital interessant macht, aber auch noch attraktiv genug lässt für das Managementteam des Unternehmens, damit sie motiviert arbeiten.

  1. Wer ist der Entscheidungsträger in Ihrer VC-Gesellschaft, ob eine Beteiligung letztendlich eingegangen wird?


das Investment-Team entscheidet über die Beteiligung, präsentiert es einem vom Aufsichtsrat bestellten Investment Commitee, das eine meistens positive (bisher immer) Empfehlung abgibt. Der schlußendlich entscheidungsbefugte Aufsichtsrat nimmt diese Empfehlungen meistens (bisher immer) an.

  1. Wenn man die Beteiligung gliedert in Selektion, dann Finanzierung und Management und schließlich Desinvestition, welche Stufe würden Sie sagen ist am entscheidensten für den Erfolg Ihrer Gesellschaft?


Im Moment ist noch die Selektions- bzw Investitions-Phase die wichtigste, da sich Pontis noch im Aufbau des Portfolios befindet. Erst nach ablauf des Fonds dh 2013 (am Ende des Fonds) könnte man dazu Aussagen machen.

Punkt 2 – Branchen:


  1. Auf welche Branchen spezialisieren Sie sich? In wie viele verschiedene Branchen investieren Sie (Anzahl)? Warum gerade in diese Branchen?


IKT, Life Science, Materialwissenschaften, Industrielle Technologien, Umwelttechnologien

  1. Auf welchem Technologielevel (High-Tech / Low-Tech) befinden sich Ihre Portfoliounternehmen? Wie würden Sie High-Tech und Low-Tech abgrenzen?


Die meisten Unternehmen im Portfolio sind im Bereich High-Tech, ein Unternhehmen produziert Aluminium-Schmelzöfen (haben aber auch gefinkelte Methoden, wie man zB Temperatur in Brennkammern steuern kann).


High-Tech: IT, Electronics, Biotech, Life Science, Produkte mit neuen Technologien mit hoher Komplexität


Low-Tech: Industrielle Produktion, mit einfachen Verfahren (die erst im Detail schwierig werden), Produkte sind leichter nachzubauen, weshalb spezielle Patente besonders geschützt werden müssen.

  1. Glauben Sie, dass der Beteiligungsprozess bei High- und Low-Tech Unternehmen unterschiedlich abläuft, also dass die Selektion, Finanzierung, Management und Exit unterschiedlich sind?


Abhängig vom zuständigen Investment-Manager, wenn er sich in einem Bereich, einer Branche gut auskennt, ist er schneller, wenn er keine Erfahrungen hat, braucht er viel mehr Zeit, er muss sich erst über Markt informieren und einlesen.

Punkt 3 – Humankapital:


  1. Wenn Sie an Ihre Ausbildung und Ihre Erfahrung denken, beeinflussen Sie diese bei der Selektion der Unternehmen? Was haben Sie studiert?


Wirtschaftsingenieurwesen (das ist ein generalistisches Studium mit Bestandteilen aus der Betriebswirtschaft, Ingenieurwissenschaften und Informatik)


Ausbildung und Erfahrungen beeinflussen einen immer, zwangsläufig;


Investment-Teams haben meistens gute Mischung aus Corporate Finance Personen und welche aus der Industrie, in die sie investieren wollen; Investoren (also die Geldgeber der VC Fonds) setzen das auch voraus, wenn zB in IKT investiert wird, muss jemand dabei sein, der dieses Branchen-Wissen abgedeckt. Wahrscheinlich hat jedes VC-Team Industrie-Experten im Team und /oder Netzwerk von industrienahen Beratern, um Industrie schnell und effizient beurteilen zu können.

  1. Haben Sie vor Ihrer Tätigkeit bei Ihrer Gesellschaft Berufserfahrungen in anderen Branchen gesammelt? Wie beeinflussen Sie Ihre bisherigen Branchenerfahrungen bei der Selektion der Unternehmen?


Selbstständig (Zwei Software-Unternehmen), Bereits von der Entrepreneur-Seite Erfahrung mit Venture Capital.

Punkt 4 – Netzwerk:


  1. Wenn Sie an Ihre beruflichen Kontakte jeglicher Art denken, beeinflussen Sie diese Kontakte bei der Wahl der Portfoliounternehmen?


Ja, wenn man eine Beteiligung evaluiert, holt man zuerst Referenzen ein, ruf Bekannte an, schaut, ob man jemanden aus der Branche kennt, um Informationen einzuholen.

  1. Kennen Sie in Ihrem persönlichen, sozialen Umfeld (abseits der rein beruflichen Kontakte), Personen, die sich genau in den Branchen auskennen, in die Sie investieren?


Speziell wenn Personen in den fokussierten Branchen persönlich kennt, kann man sehr nützliche Insider-Informationen über die Branche einholen. (Berufliche Kontakte oder Alumni-Vereine der Universität, Kontakte vermischen sich teilweise).

  1. Bei einer Beteiligung an einem Unternehmen einer gewissen Branche bauen Sie sich ja ein Netzwerk auf, dass Sie nutzen können, wenn Sie wieder in diese Branche investieren. Heißt das, wenn ein solches Netzwerk nicht vorhanden ist, gehen Sie eher keine Beteiligung an dem neuen Unternehmen ein?


Erstkontakt bis Beteiligungsabschluss kann ca 6 Monate dauern, in denen man bereits Netzwerk aufbaut, und Gefühl für den Markt bekommt. Dh man geht auch Beteiligungen ein bei Branchen, in denen man bisher noch nicht tätig war, wenn man genug Informationen bekommt, und sich sicher fühlt.

  1. Wie entsteht der erste Kontakt zu möglichen Portfoliounternehmen?


Extrem viel passiver Dealflow (dh Unternehmen schicken einfach Business Pläne), ein Drittel bis die Hälfte der Beteiligungen werden von Pontis direkt kontaktiert. Entweder Kontakt entsteht auf Branchenevents, (zu denen man geht, wenn man in der Branche etwas machen möchte), oder durch Pressemeldungen erfährt man von interessanten Unternehmen und geht auf diese direkt zu.

Punkt 5 – Syndikat:


  1. Gehen Sie bei Ihren Beteiligungen auch Syndikate mit anderen VC-Gesellschaften ein? Wie häufig kommt das vor (%)?


Wenn Kapitalbedarf des Unternehmens die Investment-Volumina der VC-Gesellschaft übersteigt, dann sucht man sich einen Finanzierungspartner.


Bei uns haben wir in unter 50% unserer Investments ein Syndikat mit anderen VC-Gesellschaften.


Weiterhin helfen wir bei Günstige Bankfinanzierung oder mit Besicherungen der AWS = Leverage-Finanzierung; jeder Investment-Manager wird bei jedem Investment versuchen, so gut wie möglich zu leveragen.


  1. Wenn ja, welche Unterschiede ergeben sich im Selektionsprozess, verglichen zur Selektion, wenn Sie die Beteiligung einzeln eingehen?


Meist ist einer der Lead-Investor, der Prozess vorantreibt, jeder macht eigene Analysen, jedoch Lead-Investor intensiver, Co-Investor verlässt sich ein bischen auf Lead. Lead ist mehr Vorort, beim Unternehmen. Co-Investor profitiert davon, bietet dafür Netzwerke, bringt Referenzen ein. Selektionsprozess komplizierter, länger, aber nicht doppelt so lang, oder doppelt so intensiv (nicht zB 2 Due Diligence).

Punkt 6 – Investoren:


  1. Haben die Investoren Ihrer Fonds, dh Banken, Versicherungen, etc., irgendeinen Einfluss darauf, welche Unternehmen Sie für den Fonds wählen? Können die Investoren mitentscheiden welche Branchen gewählt werden?


Investment-Manager müssen im Rahmen der vorher festgelegten Strategie handeln, das zB keine Waffenunternehmen oder Glücksspiele finanziert werden dürfen. Die konkrete Wahl der Unternehmen beeinflussen sie jedoch nicht. Teilweise kommt es vor, das Investoren potenzielle Investments an die Investment-Manager heran tragen.

  1. Haben Sie bei der Selektion der Portfoliounternehmen gewisse Investoren im Auge und entscheiden deshalb auch im Sinne der Investoren?


Beim Selektionsprozess werden Investoren nicht miteinbezogen, unabhängig von Investoren.

Punkt 7 – Desinvestition:


  1. Wenn Sie wieder an den Selektionsprozess allgemein denken, welche Rolle spielen dabei Exitmöglichkeiten?


Bereits bei der Evaluierung jedes Investments hat man Exit vor Augen (wem könnte man es verkaufen und warum und ist es schon mal vorgekommen?)

  1. Selektieren Sie ein Unternehmen aus, wenn Sie zwar überzeugt sind, dass es erfolgreich laufen könnte, aber ein Ausstieg schwierig wird? (Ist es bei Low-Tech Unternehmen schwieriger die Anteile zu verkaufen ?)


VC-Gesellschaft verdient ja nur Geld, wenn man aussteigen kann. Also wäre sogar Investment vorzuziehen, dass nicht ganz so toll läuft, aber sicher bzw leicht verkauft werden kann, statt einem Investment, das zwar sehr gut läuft, aber nicht verkauft werden kann.

  1. Wovon hängt die Wahl des geeigneten Exitszenarios ab? (Ist die Technologie (ob High- oder Low-Tech) des Unternehmens entscheidend?)


Es kommt drauf an, was man verkauft. Es kann sein, dass Unternehmen deshalb gut verkauft werden kann, weil Technologie entscheidend ist, und zB begehrt vom Konkurrenten, um es in eigene Palette zu integrieren. Oft kauft ein Unternehmen auch den Kundenstamm, um Marktanteil des Unternehmens zu übernehmen.

Punkt 8 – Statistisches:


  1. Wie groß sind Ihre Fondsvolumina (in Mio €)?


30 Mio €, (2005 gegründet)

  1. Wie viele Beteiligungen sind Sie 2007 neu eingegangen? Wie viele Exits wurden vollzogen?


Zwei neue Beteiligungen, bisher ein Exit


Expansionsphase: wenn 2 bis 3 Mio € Umsatz, nahe an Profitabilität, ca. 30 Mitarbeiter, bis 10 oder 20 Mio € Umsatz,


Frühphase: bis zu 2 Mio € Umsatz (nur weil ein Produkt verkauft wurde, ist Markteintritt noch nicht geschafft, und Produktion wird auch noch nicht perfekt laufen; erst bei einem gleichmäßigen Hereinkommen von Kunden beginnt Expansionsphase, sobald Markt dem Unternehmen glaubt, was es kann, hast es Market-Proof erreicht)

  1. Wie hoch ist der Anteil an KMUs in ihrem Portfolio?


100 %